Artist Talk: Britta Gansberg – Spiel mit der Schönheit und Vergänglichkeit der Natur

Willkommen liebe Britta ich freue mich, dass du an meinem Artist Talk teilnimmst. Wir kennen uns inzwischen auch persönlich – aber kannten uns schon Jahre zuvor vom Namen her aus dem gemeinsamen Verein Kunst in der Provinz, dessen Vorstandsmitglied du bereits seit über 20 Jahren bist. Nun endlich habe ich die Gelegenheit dir einige Fragen zu dir als Künstlerin zu deinem Schaffensspektrum zu stellen.

Manuela: Kannst du dich bitte kurz vorstellen? Erzähle doch ein wenig, wie du zur Kunst gekommen bist. Gab es z.B. ein besonderes Ereignis, das den Ausschlag dafür gegeben hat, um die künstlerische Laufbahn neben dem Beruf einzuschlagen?

Britta: Ich habe schon während der Schulzeit gerne gemalt, fotografiert und damit einfach nicht aufgehört. Es war immer wichtig für mich. Irgendwann hatte ich den Wunsch meine Werke auszustellen. Diesen Wunsch konnte ich 1997 zum ersten Mal verwirklichen. Seitdem ließ es mich nicht mehr los. 2027 stelle ich dann seit inzwischen 30 Jahren aus und habe vor es bis zu meinem Lebensende weiter zu machen – ich liebe es einfach!

Schmetterling | 2017 mit Künstlerin Britta Gansberg

Manuela: Auf deiner Homepage erfährt man ein wenig zu deinem Werdegang, bzw. dass du dich mit diversen künstlerischen Bereichen auseinandergesetzt hast. Darunter auch Holz- und Metallbearbeitung, Schmiedekunst, Holzdruck, Collagen. Was macht den besonderen Reiz für dich aus immer wieder neue Bereiche zu erkunden?

Britta: Ich finde es immer wieder interessant etwas Neues zu lernen oder vielleicht ein weiteres Talent zu entdecken, das in mir „schlummert“. Außerdem ist es doch phantastisch etwas mit seinen Händen zu erschaffen. Manches muss man einfach auch ausprobieren um zu wissen, ob es einem liegt. Lernen und Erfahrungen zu sammeln finde ich lebenswichtig, natürlich auch außerhalb der Kunst.

Früher habe ich z.B. immer mal wieder Bildungsurlaub im Überseemuseum Bremen gemacht, dort mal einen ausgestopften Raben in der Vitrine oder eine Figur aus dem mexikanischen Totenkult abgezeichnet und sie mit Hilfe von Holzdruck zu Papier gebracht.

Manuela: Hast du eine formale Ausbildung absolviert oder bist du Autodidaktin?

Britta: Ich bin Autodidaktin. Eine künstlerische Ausbildung oder ein Studium hat sich leider nicht ergeben, auch deshalb besuche ich Workshops, Ausstellungen und experimentiere mit künstlerischen Materialien.

Manuela: Welche u.a. politischen, sozialen, umweltbedingten oder andere Themen sind für dich als Künstlerin wichtig?

Britta: Für mich ist meine Kunst in Hinsicht von umweltbedingten Themen sehr wichtig. Natürlich kann sie manchmal einfach auch nur schön sein, aber in erster Linie geht es mir bei der Gestaltung z.B. mit Naturmaterialien oder meiner Eisfotos doch darum auf die Fragilität der Natur hinzuweisen. So zart wie die Blüten in meinen Eisfotos sind, so zerbrechlich kann auch die Natur sein, wenn man gegen sie lebt, Tieren und Pflanzen Lebensraum nimmt und Arten aussterben. Deshalb ist auch unser kleiner naturnaher Garten so ein Paradies für mich, in dem ich versuche so wenig wie möglich in die Abläufe der Natur einzugreifen.

Werkserie Libelle | 2023 | Britta Gansberg

Manuela: Was macht es mit dir, wenn du dich deiner eigenen Kunst widmen kannst? Wie nimmst du diese Zeit für dich selbst wahr?

Britta: Ich erlebe mich als selbstwirksam, kann eigene Ideen verwirklichen, die in meinem Kopf entstanden sind, kann etwas erschaffen, mit meinen Händen, etwas das es so noch nicht gibt, vielleicht mit meinen Projekten die Menschen zum Nachdenken anregen und im besten Fall die Welt ein kleines bisschen besser machen – ich liebe es! Und es ist wichtig dabei authentisch zu sein.

Manuela: Welche Materialien gehören zu deinen Favoriten und warum?

Britta: Ich male gerne mit Acryl, Rost und Patina. Oft kombiniere ich sie, füge noch Naturmaterial dazu.

An Rost und Patina finde ich immer wieder spannend, dass man nicht weiß, wie es sich entwickelt. Der Rost, bzw. am Anfang steht die Eisengrundierung, ist erst anthrazitfarben und entwickelt sich dann. Er kann hellorange ausfallen, dunkelbraun und alles dazwischen. So verhält es sich auch mit der Patina. Dazu gehört Geduld, denn das Ergebnis sieht

man erst nach Stunden und ebenso muss man dann auch mit dem Ergebnis umgehen können. Es ist kein Material für jemanden, der alles genau plant und bestimmen möchte. Für mich macht es den Reiz aus. Und ich finde es wunderbar, dass es nicht wiederholbar ist – kein Bild gleicht dem anderen. Das muss man mögen!

Werkserie Wiese | 2025 | Britta Gansberg

Acrylfarbe mag ich sehr aufgrund der vielen verschiedenen Farbmöglichkeiten und sie ist so unkompliziert in der Handhabung. Mit ihr kann ich malen, drucken und sprayen. Manchmal finden sich auch zeichnerische Elemente in meinen Bildern mit Acryl.

Schmetterling mit Monstera | 2025 | Britta Gansberg

Manuela: Neben deiner Malerei fällt insbesondere deine Eiskunst ins Auge. Nicht das was man normalerweise darunter verstehen könnte, nämlich Eisskulpturen oder dergleichen. Schenke uns doch bitte einen kleinen Einblick in deine Eiskunst, wie du sie fertigst, was du damit zeigen möchtest.

Britta: Meine Eiskunst entsteht seit 2003. Ich kann gar nicht mehr sagen, wie ich mal auf die Idee kam Blumen einzufrieren. Aber auch hier liegt der Reiz im Unvorhersehbaren. Denn ich weiß nie, wie sich das Eis entwickelt und die

Blumen wirken. Es kann auch passieren, dass sich die Blüten verfärben oder das Eis zu weiß wird, es gelingt nicht jeder kleine Eisblock. Es ist nicht planbar und für mich immer wieder faszinierend. Du musst Dir das so vorstellen: Ich entdecke „im Rausch der Farben“ wunderschöne Blumen und Stauden im Gartencenter, nehme sie mit, pflanze sie ein, gucke wie sie sich entwickeln, überlege ob ich sie einzeln oder mit anderen zusammen einfriere, arrangiere ein Stillleben im Wasser. Dann kommt das Ganze in einer Dose in unseren Gefrierschrank im Keller.

Foto links: Akelei meets friends IV | 2026 | Britta Gansberg

Foto Mitte: Akelei meets friends I | 2026 | Britta Gansberg

Foto rechts: Akelei meets friends III | 2026 | Britta Gansberg

Zwischen Spinat und Tiefkühlpizza entsteht dann mit Glück ein wunderschönes kleines eisiges Kunstwerk. Ich bin dann immer so gespannt, dass ich manchmal morgens noch im Nachthemd runter laufe um das Ergebnis zu begutachten. Dann geht es irgendwann mit meiner digitalen Spiegelreflexkamera in den Garten um diesen Moment festzuhalten – ein Spiel mit der Schönheit, aber auch Vergänglichkeit – festgehalten im Eis. Übrigens: Eine nachträgliche Bildbearbeitung am PC der Eisfotos findet nicht statt.

Foto links: Azalee | 2026 | Britta Gansberg

Foto rechts: Ausschnitt | 2026 | Britta Gansberg

Manuela: Was brauchst du um schöpferisch tätig zu sein? Bzw. wie bilden sich deine Ideen für aus Werke? / Wie entstehen deine Werke, wie gehst du an deine Kunst heran und mit welchen Materialien arbeitest du am liebsten?

Britta: Ich brauche Ruhe und Zeit zum Nachdenken dafür. Oft denke ich tagelang oder manchmal auch Wochen immer wieder über ein Bild nach, es entsteht praktisch als „Vorabskizze“ in meinem Kopf. Dann mache ich eine Miniskizze auf einen Zettel um die Idee nicht zu vergessen. Das war nicht immer so, früher habe ich einfach angefangen zu malen, aber jetzt gefällt es mir so besser.

Aus der Werkserie: Wiese | 2025 | Britta Gansberg

Manuela: Welches Kunstwerk würdest du gerne besitzen und wie bzw. wo würdest du es gerne präsentieren?

Britta: Da fällt mir so spontan kein Kunstwerk ein, aber wahrscheinlich wäre es eine Skulptur.

Manuela: Wo entstehen deine Werke?

Britta: Meine Werke entstehen hauptsächlich in meinem Arbeitszimmer oder im Garten. Rost und Patina riechen bei der Entstehung, eine Belüftung ist bei diesem chemischen Prozess notwendig und so gehe ich damit raus. Die Eisfotos entstehen immer im Garten – der Eisblock tropft und schmilzt in meiner Hand.

Manuela: Wieviel Raum und Zeit nimmt Kunst in deinem Leben ein?

Britta: Gedanken mache ich mir jeden Tag darüber, aber es ist oft wenig Zeit für die Umsetzung da. Ich lebe in einer vierköpfigen Familie, Haus, Garten, alles nimmt Zeit in Anspruch. Aber andererseits bin ich meiner Familie dankbar unbezahlten Urlaub nehmen zu können. Als gelernte Fachangestellte für Arbeitsförderung säße ich sonst im Büro. Eine Ausbildung als Floristin musste ich 1998 aus gesundheitlichen Gründen abbrechen. Und natürlich nimmt auch das Organisatorische bei der Kunst viel Zeit in Anspruch.

Manuela: Gibt es Menschen, die deine Kunst beeinflusst haben?

Britta: Auf jeden Fall meine Familie. Da ist mir besonders die Geburt meiner eineiigen Zwillingstöchter in Erinnerung. Bis zur Geburt hatte ich gerade eine Phase, in der ich abstrakt mit Acryl malte. Nach der Geburt konnte ich es nicht mehr, es war verrückt, irgendwie wollte es mir nicht mehr gelingen – es kam später wieder. Aber weil ich gerne etwas machen wollte, besuchte ich einen Workshop in dem ich lernte Rost und Patina entstehen zu lassen. Und was soll ich sagen – jetzt 18 Jahre später nutze ich dieses Material immer noch.

Manuela: Was macht dir bei deiner künstlerischen Arbeit am meisten Spaß?

Britta: Ehrlich gesagt macht mich das Ergebnis am glücklichsten. Spaß macht es mir, wenn ich eine tolle Idee habe und es mir gelingt sie in die Tat umzusetzen.

Manuela: Was war Deine schönste Reaktion auf Deine Kunst, die Du bekommen hast?

Britta: Ein Mitarbeiter vom Baubetriebshof der Stadt Bassum, der nach meinem Fotoprojekt „Danke für Eure Arbeit“ zu mir sagte: „Das werde ich nie vergessen.“ In diesem Satz klang so viel Dankbarkeit mit, dass ich ihn und viele andere sichtbar gemacht hatte und es war meine Dankbarkeit an alle, die unser gemeinsames gesellschaftliches Leben ermöglichen. Dieser Satz hat mich sehr berührt.

Manuela: Welche Ausstellungen und künstlerische Projekte haben dich in deinem Werdegang besonders geprägt?

Britta: Meine Kunst begleitet mich nun schon seit Jahrzehnten und ich habe dadurch wunderbare Erfahrungen gemacht und Dinge erlebt. Besonders im Gedächnis ist mir geblieben, als ich 2012 kleine Holzhäuschen in der Zeitschrift „Landlust“ veröffentlichen konnte. Die Häuschen waren aus einem Balken gesägt und mit Rost und Patina bemalt. Zuvor hatte ich sie auf der „Hanse-Art“ in Bremen gezeigt. Sie landeten dann auf dem Titelblatt der „Landlust“ und es gab eine Schritt-für-Schritt Anleitung in der Zeitschrift. Danach konnte ich mich monatelang vor Bestellungen und Anfragen nicht retten. Und auch über 10 Jahre später gibt es selten noch Anrufe und Bestellungen.

Ich werde nochmal exemplarisch über zwei Ausstellungen berichten, die mich in verschiedener Hinsicht sehr bewegt haben.

Die Ausstellung „Kriminaltango“ (ich zeigte sie 2009 im Diepholzer Schlossturm, 2011 in der Wassermühle Sudweyhe und 2013 im „Caponi“ – der Kantine der Polizeiakademie Niedersachsen in Nienburg) zeigte schwarz/weiß Fotografien von nachgestellten Verbrechen. Als Schirmherr hatte ich unseren damaligen Landrat Gerd Stötzel und hatte für meine Fotos auch Beratung durch die Polizei, die bei uns in Bassum gegenüber ist. Sie liehen mir Sachen für meine Fotos, wie z.B. Handschellen oder Polizeiabsperrband. Raus kam eine Ausstellung mit Fotos und einem „Tatort mit Leiche“, an dem einmal Freunde die Spurensicherung für mich spielten, aber einmal auch die Polizei aus Weyhe, als ich die Ausstellung in der Wassermühle Sudweyhe zeigte. Natürlich richtete sich diese Ausstellung gegen Verbrechen und das Abschlussfoto zeigte mich bei meiner „Verhaftung“.

Eine meiner Lieblingsausstellung war in der ganzen Zeit auch 2017 „Danke für Eure Arbeit“ in der Zusammenarbeit mit der Stadt Bassum. Es ging für mich darum Menschen sichtbar zu machen, die einen Teil dazu beitragen, dass unser gesellschaftliches Leben funktioniert und damit meinte ich alle, egal ob sie sich zuhause um ihre Kinder kümmerten, jemanden pflegten, zur Arbeit gingen, ehrenamtlich tätig waren usw. Für meine Banner, die in Bassum an Bauzäunen aufgehängt wurden, wählte ich Berufsgruppen aus, die man an ihrer Kleidung erkennen konnte und sie standen beispielhaft für alle wie z.B. die Feuerwehr, der Rettungsdienst, Schornsteinfeger, die Polizei, Angestellte vom Tierpark usw. Die Dankbarkeit und Wertschätzung, die ich für diese Ausstellung erhielt, machte mich sehr glücklich und es war mir sehr wichtig gewesen dieses Thema in die Öffentlichkeit zu rücken.

Manuela: Eine Frage, die Dich gerade bewegt

Britta: Wie wird KI unsere Kunstwelt verändern? Wird man immer unterscheiden können, ob die Kunst durch einen Menschen oder eine KI erschaffen wurde?

Manuela: Was ist Kunst für dich? In 3 Worten!

Britta: Liebe, Leidenschaft, Ausdruck

Manuela: Woran arbeitest du im Augenblick?

Britta: Zurzeit sind einige neue Eisfotos für meine nächste Ausstellung entstanden, u.a. meine Werkserien „Akelei meets friends“ und „Pretty Petunia“. Ich kann dann im Frühling auch immer gar nicht anders meine neuesten „Gartenschätze“ im Eis festzuhalten. Sie sind ja vergänglich und der Garten verändert sich über die Monate mit den Jahreszeiten.

Pretty Petunia | 2026 | Britta Gansberg

Außerdem wird in den nächsten Monaten ein Insektenhotel in „Müllwagenform“ nach meiner Idee und Zeichnung auf dem Gelände der Abfallwirtschaftsgesellschaft (AWG) Bassum entstehen. Du hörst ja immer wieder heraus, wie wichtig mir die Natur ist und so entstehen auch viele Projekte aus Liebe und Respekt vor der Natur. Bei dem Insektenhotel lag für mich auch der Reiz in der Widersprüchlichkeit – ein Insektenhotel in der Form eines Müllwagens. Ich werde es mit anderen zusammen bauen. Dann ist es auf dem Utkiek (Naherholungsgebiet) der AWG für die Öffentlichkeit zugänglich und informiert die Besucher. Im Jahr 2024 hatte ich schon mal Blumenbeete in Insektenform zum 200-jährigen Jubiläum des katholischen Friedhofs in Twistringen entworfen und realisiert.

Manuela: Deiner Homepage entnehme ich, dass Du nicht nur in der bildenden Kunst zuhause bist.

Britta: Ja, das ist richtig. Ich bin seit über 20 Jahren Mitglied der Maskentheatergruppe „Twist-A-Gang“ und spiele auch immer mal gerne mit einer Maske, die ich oft auch selbst gebaut habe.

Außerdem konnte ich schon ein paar Mal als Komparsin in einem Film mitwirken und sehe jetzt Filme im Fernsehen oder Kino mit anderen Augen. Ich finde es sehr spannend in die Filmwelt einzutauchen und zu sehen, was alles dazu gehört. So war ich z.B. als Komparsin bei „Rabiye Kurnaz gegen George W.Bush“, „Die Hände meiner Mutter“ oder „Das Märchen von der Zauberflöte“ dabei.

Manuela: Deine nächsten Projekte, Ausstellungen. Wo kann man dich in diesem Jahr noch sehen?

Britta: Am 01.08.2026 bei meiner Einzelausstellung „Magie des Eises“ (Vernissage 17 Uhr) in der Wassermühle Sudweyhe. Am 27.09.2026 ist die Finissage.

Und am 04.10.2026 bei einer Gruppenausstellung in der Alten Oberförsterei in Neubruchhausen (Vernissage 14 Uhr).

Außerdem male ich immer mal wieder Bühnenbilder für die Kinder-und Jugendkantorei hier in Bassum für Musicals oder Krippenspiele in der Stiftskirche Bassum.

Manuela: Wo kann man dich online finden? (Social Media usw. bitte direkt Links hinschreiben)

Britta: Unter www.Britta-Gansberg.de

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