Tipp: Oma, Opa und das Böse an sich – Neue Galerie Zossen

noch bis zum 11. Oktober 2026 in der NEUEN GALERIE Wünsdorf/ Zossen

Linda Blüml (Miniatur / Blankenfelde-Mahlow), Steffen Blunk (Malerei / Wriezen), Detlef David (Installation / Gottsdorf), David Dibiah (Malerei, Installation / Berlin), Andreas Helle (Fotografie / Berlin), Halina Hildebrand (Installation, Fotografie / Wiesenburg/Mark), Stephanie Hüllmann (Installation, Objekt / Winsen), Kaj Osteroth (Malerei / Schönewalde), Thomas Wernicke (Malerei, Grafik / Bad Belzig), Ila Wingen (Malerei, Installation / Berlin) 

Am Samstag, den 5.9.2026 hatte ich die Gelegenheit die Vernissage der Ausstellung zu besuchen. Wie hilfreich, dass ich durch Instagram informiert wurde und sah, dass u.a. Stephanie Hüllmann dort mitausstellen würde.

Also war es klar, dass ich dort hin gehen werde. Die Eröffnung war gelungen. Begrüßungen durch den Kulturbeauftragten Herrn Haetge, und die wirklich sehr gute Einführungsrede des Kurators und Künstlers Steffen Blunk stellte u.a. einmal alle teilnehmenden Kunstschaffenden vor, aber schlug auch den Bogen zum Thema Demokratieerhalt, Generationentraumata und Geschichte, die sich (hoffentlich nicht) wiederholt.

Die sehr angenehmen Räume der Galerie sind perfekt für diesen Rahmen und zeigen eindrucksvolle Arbeiten und ganz persönliche Interpretationen zum Thema.

Zehn Künstlerinnen und Künstler setzen sich unter völlig unterschiedlichen Vorzeichen kritisch mit Fragen eigener Familiengeschichte und eigener Wurzeln auseinander, aber auch mit allgemeinen Fragen zur Verantwortung des Einzelnen angesichts angegriffener demokratischer Strukturen: Als Täter und Opfer, als Schuldige oder Unschuldige. Das Konzept vereint künstlerische Positionen, die in ihrer Auseinandersetzung mit den Vorfahren – oder den Nachfahren – einen Zeitbezug herstellen.

„DOGGERBANK“ (Abb. Steffen Blunk)

Was bedeuten die Erkenntnisse über die Ahnen für uns selbst? Welche Schlussfolgerungen ziehen wir für unser eigenes Handeln in schwieriger Zeit? Durch die derzeitigen weltweiten Entwicklungen wird dieses Konzept aktueller und drängender.

v.l.n.r. Kulturkoordinator Thomas Haetge, Amtsleiterin für Bildung und Kultur des Landkreises Teltow-Flämig Frau Dr. Evgeniya Gärtner und Kurator und Künstler Steffen Blunk

Familiengeschichte und Verantwortung

Zehn künstlerische Positionen nähern sich aus unterschiedlichen Perspektiven der eigenen Familiengeschichte und den eigenen Wurzeln. Im Zentrum stehen Fragen nach Schuld und Verantwortung, nach Täterschaft und Opfererfahrungen, nach Erinnerung und Verdrängung.

Was bedeuten die Erkenntnisse über die eigenen Vorfahren für die Gegenwart? Welche Schlussfolgerungen ziehen wir daraus für unser eigenes Handeln?

Die Ausstellung verbindet persönliche Geschichten mit politischen und gesellschaftlichen Themen. Dabei geht es auch um die Frage, was es bedeutet, Kunst politisch zu machen – und welche Möglichkeiten Kunst eröffnet, scheinbar sichere Perspektiven ins Wanken zu bringen.

  1. Reihe oben/ v.l.n.r.: Installation von Linda Blüml, Installation im Hintergrund von Stephanie Hüllmann und Zeichnungen von Thomas Wernicke, rechts Einblick in die Vernissage mit Gästen
  2. Reihe unten/ v.l.n.r.: Bild von Kaj Osteroth, Mitte und rechts 2 Zeichnungen mit Kuli von David Dibiah

Künstlerische Positionen

Die Ausstellung vereint Arbeiten von Linda Blüml (Miniatur), Steffen Blunk (Malerei), Detlef David (Installation), David Dibiah (Malerei, Installation), Andreas Helle (Fotografie), Halina Hildebrand (Installation, Fotografie), Stephanie Hüllmann (Installation, Objekt), Kaj Osteroth (Malerei), Thomas Wernicke (Malerei, Grafik) und Ila Wingen (Malerei, Installation).

David Dibiah thematisiert die koloniale Aufteilung Afrikas und deren bis heute wirkende Folgen. Andreas Helle fotografiert Orte ehemaliger deutscher Vernichtungslager und beschäftigt sich mit der Frage, wie diese Orte auch Jahrzehnte später innere Bilder der Shoah hervorrufen.

Halina Hildebrand stellt die gegensätzlichen Familiengeschichten ihres Ehemannes und ihrer eigenen Familie gegenüber: Auf der einen Seite steht die Verstrickung in die nationalsozialistische Ideologie, auf der anderen die Geschichte eines Shoah-Überlebenden. Verbunden sind beide Familien durch die Erfahrung des Schweigens.

Ila Wingen untersucht, wie sich unser Verhältnis zur Vergangenheit verändert, wenn Erinnerung und Wissen zunehmend durch digitale und algorithmisch erzeugte Bilder geprägt werden. Kaj Osteroth beschäftigt sich mit gesellschaftlichen Verschiebungen, der zunehmenden Sichtbarkeit extremistischer Positionen und der Frage nach individueller Verantwortung.

Kuratiert von Steffen Blunk

Kuratiert wird die Ausstellung von dem Künstler Steffen Blunk, der bereits 2020 mit einer Ausstellung zu Krieg, Flucht und Gewalt in der NEUEN GALERIE des Landkreises zu sehen war. Seit mehreren Jahren setzt er sich in seiner Malerei und seinen Texten mit der Geschichte seiner Großeltern während des Nationalsozialismus auseinander.

Der Großvater des Künstlers starb 1943 auf der „DOGGER-BANK“, einem Hilfskreuzer, der auf dem Weg von Japan nach Deutschland versenkt wurde. Seine Recherchen zur Geschichte der Kriegsmarine fließen in seine künstlerische Arbeit ein.

Auch der Titel der Ausstellung stammt von Blunk und ist bewusst provokant gewählt: „Niemand möchte seine Oma, seinen Opa mit dem Bösen in Verbindung gebracht wissen – und doch muss jede Generation irgendwann ihre Vorfahren in Frage stellen.“ Die Ausstellung stelle damit auch die Frage, wie spätere Generationen auf unsere Entscheidungen und unseren Umgang mit den Herausforderungen der Gegenwart zurückblicken werden.

Neue Galerie, Gutenbergstraße 1, 15806 Zossen

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