Montagsgedicht: Zvonimir Mrkonjic

Bis zum Horizont, Manuela Mordhorst, 80x100cm, 2022

Das Meer – überarbeitet

Und wieder beginnt das Meer die Seite,
überarbeitetet ein und denselben Vers, löscht,
auch wenn sich die verspielten Zeichen
der Bewegung widersetzen, der zum Tag parallelen,

die den Text zerstört und die Seite gerbt,
selbst die Rechtschreibung, die Interpunktion ändert sich,
die Fragezeichen wachsen, Zeichen des Erstaunens
über das handschriftliche Wunder, während der Autor, der

bei all dem nicht anwesend ist, betrunken
schläft und träumt, wie er immer weniger
vorhanden ist, wie sein trüber Kopf

den Weg des Vergessens geht, das einen Traum schreibt
voll Hieroglyphen, voll unleserlicher Realien,
dass er die Erde stürzt, indem er die Unwissenheit hebt.

© Zvonimir Mrkonji?
Aus: Šipanski soneti. Dubrovnik: Ogranak Matice hrvatske Dubrovnik, 1992

Prepravljeno more

I ponovo more zapo?inje stranu
prepravljaju? isti redak, brisanja se
la?a, makar slova razigrana da se
odupiru kretnji, usporednoj danu,

kojom tekst se ruši i stranica stroji,
?ak pravopis, interpunkcija se mijenja,
rastu upitnici, znaci udivljenja
rukopisnim ?udom, dokle pisac, koji

cijelo je to vrijeme neprisutan, spava
pjan i pri tom snije kako ga sve manje
ima, maglena mu odilazi glava

putem zaborava koji piše sanje
pune hijeroglifa, ne?itljivih java,
da prevrati Zemlju dižu?i Neznanje.

© Übersetzung:  Klaus Detlef Olof

2 Comments

  1. What a remarkable and thought-provoking poem.

    I was captivated by the image of the sea endlessly rewriting the same page. It is a powerful metaphor for time, memory, and the ever-changing nature of life. Just as the waves erase and rewrite the shoreline, our experiences continuously reshape our stories, our thoughts, and even our understanding of ourselves.

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