Tipp: Philipp Modersohn – Es hebt sich

27. Juni 2026 – 6. September 2026 Kunstverein Springhornhof

Philipp Modersohn

Der Berliner Künstler Philipp Modersohn (*1986, Bremen) untersucht in seinen Skulpturen, Filmen und raumgreifenden Installationen das Verhältnis von Mensch, Umwelt und Materialität. Seine Werke hinterfragen etablierte Hierarchien zwischen Menschen, Tieren, Pflanzen und scheinbar unbelebter Materie. Geologische, biologische und klimatische Prozesse werden hier zu eigenständigen Akteuren.

Modersohn bildet Naturphänomene nicht bloß ab – er lässt sie mitarbeiten. Ihn interessieren die Kräfte, die den Planeten formen: Druck, Hitze, Wachstum und Verfall. Die Erde ist bei ihm keine Kulisse für menschliches Handeln, sondern ein dichtes, eigenwilliges Geflecht. Dabei verbindet der Künstler wissenschaftliche Fragestellungen mit Humor und surrealen Bildwelten. Seine Arbeiten bewegen sich spielerisch zwischen Ernsthaftigkeit und Witz, zwischen ökologischer Dringlichkeit und Offenheit.

Am Beginn der Ausstellung verbindet der animierte Kurzfilm „Undrainment“ die Trockenlegung von Mooren mit der Isolation des Einzelnen in der kapitalistischen Moderne. In zwei kontrastierenden Bildsprachen – schwebenden Unterwasseraufnahmen aus dem Moor und inszenierten Miniaturszenen – begleitet der Film ein Stück Torf auf dem Weg durch Zustände von Überfluss und Erschöpfung. Der Torf wird dabei zu einer eigentümlichen Figur, deren Schicksal die Mechanismen von Ausbeutung und Entfremdung widerspiegelt. Zugleich erinnert die Arbeit an die komplexen ökologischen Zusammenhänge von Moorlandschaften, die sich menschlicher Kontrolle und Vereinnahmung entziehen.

Die im Folgenden präsentierten Skulpturen bestehen aus Beton, Glas, Kunststoff, Torf und weiteren Materialien, die gepresst, verschmolzen oder verdichtet wurden. Diese Objekte entziehen sich einer eindeutigen Funktion oder Verwertung. Sie wirken archaisch und zeitgenössisch, fragil und widerständig. Modersohn nutzt Druck und Hitze um Skulpturen zu schaffen, die zwischen Kunstobjekt, Architekturfragment und geologischem Fundstück changieren.

Im Obergeschoss geht es um die Entstehung von Eigentum und die Einfriedung von Land. Eine ornamentale Bodeninstallation aus gestreuten Granulaten und Sound untersucht den Moment, in dem offener Raum vermessen, begrenzt und kontrolliert wird. Das Werk thematisiert die historischen Prozesse, durch die Land in Privatbesitz überführt wurde sowie die Auswirkungen dieser Grenzziehungen auf Mensch und Umwelt.

Philipp Modersohn studierte Bildende Kunst an der Universität der Künste Berlin sowie Visual Arts an der Columbia University in New York. Seine Arbeiten waren in zahlreichen Einzel- und Gruppenausstellungen im In- und Ausland zu sehen, darunter im Lantz’schen Skulpturenpark Düsseldorf, in der Bundeskunsthalle Bonn, im Kunstverein Göttingen, in der Staatlichen Kunsthalle Baden-Baden sowie in Neapel, Brüssel, São Paulo, Zürich und Tokio.

Die Ausstellung im Kunstverein Springhornhof verschiebt die Perspektive auf unsere Welt, indem sie das Sein von Steinen, Torf, Fossilien und Sedimenten in den Mittelpunkt rückt. Modersohns Werke eröffnen einen Raum, in dem Materie kein passiver Rohstoff mehr ist, sondern ein lebendiger, eigensinniger Teil unseres Planeten. (Quelle: Kunstverein Springhornhof)

Weitere Informationen zur Ausstellung: Veranstaltungen für 27. Juni 2026 – Kunstverein Springhornhof

Kunstverein & Stiftung SpringhornhofTiefe Straße 429643 Neuenkirchen (bei Soltau)  Fon 05195 93 39 63 info@springhornhof.de

Öffnungszeiten

Ausstellungen Di – So 14 – 17 Uhr

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