Tipp: Jan Kuck – Always reach beyond the light

26.6.?–?1.8.2026 Galerie Burster, Berlin

always reach beyond the light entfaltet sich als Parcours aus Licht, Sprache und aufgeladenen Materialien. Die Ausstellung folgt keiner linearen Chronologie. Sie verbindet Arbeiten aus verschiedenen Werkgruppen zu einer Konstellation, in der jedes Objekt auf ein anderes reagiert und dennoch seine eigene Spannung behält. Wie in vielen Arbeiten Jan Kucks entsteht die Bedeutung nicht aus einer einzelnen Geste, sondern aus dem Verhältnis zwischen Schrift, Körper, Oberfläche, Herkunft und Raum.
Der titelgebende Neonschriftzug Always reach beyond the light bildet den offenen Ausgangspunkt. Der Satz trägt eine scheinbar einfache Bewegung in sich: weiter reichen, über das Licht hinaus, über das hinaus, was sichtbar, verständlich oder bereits entschieden ist. Zugleich unterläuft Kuck die Schwere dieser Aufforderung durch eine Leichtigkeit, die nie harmlos ist. Das Licht verspricht Orientierung und entzieht sie im selben Moment. Es führt nicht zu einer eindeutigen Antwort, sondern in einen Zustand erhöhter Aufmerksamkeit.


Von hier aus öffnet sich die Ausstellung in mehrere Richtungen. In den Arbeiten der Old Masters New Series werden historische Bildräume nicht zitiert, um sie zu bestätigen, sondern um sie neu zu irritieren. Barocke Rahmen, gewebte Stoffe, Cranach-Bezüge und Neon treffen auf Sätze, die zu direkt, zu heutig oder zu komisch erscheinen, um sich in die historische Ordnung einzufügen. Gerade daraus entsteht ihre Energie: Das Alte wird nicht bewahrt, das Neue nicht gefeiert. Beide reiben sich aneinander. ARACHNE verlagert diesen Konflikt in das Gewebe selbst. Säure, Glasfaser und Projektion erzeugen ein Bild, das zwischen Teppich, Lichtkörper und Erscheinung steht. SORE POINT richtet den Blick dagegen auf die Struktur des Fragens. Die Arbeit fragt nicht, welche Antwort richtig ist, sondern ob die Fragen, die
wir stellen, überhaupt an den entscheidenden Punkt führen. In dieser Verschiebung liegt ein zentrales Moment von Kucks Praxis: Sprache wird nicht erklärt, sondern ausgesetzt; sie muss sich im Raum behaupten.


Die neuen Stuhlskulpturen fügen der Ausstellung eine körperliche und biografische Ebene hinzu. Ihre Ausgangsobjekte stammen aus einem lange vergessenen Bestand historischer Stühle und Fragmente. Kuck überführt sie durch Farbe, textile Verspannungen, Ketten, Spiegel und durchgefärbtes Plexiglas in eine Gegenwart, in der Funktion, Ornament und Verfall neu verhandelt werden. Aus Sitzmöbeln werden Skulpturen, aus Gebrauchsspuren werden Zeichen.
always reach beyond the light ist damit eine Ausstellung über Überschreitungen: über den Weg vom Satz zum Objekt, vom Licht zur Frage, vom historischen Material zur gegenwärtigen Situation. Ihre Arbeiten suchen keine geschlossene Lesart. Sie erzeugen Felder, in denen Ästhetik, Humor, Irritation und Ernst gleichzeitig wirksam werden. Jan Kuck (*1978) lebt und arbeitet in München. Nach einem Studium der Rechtswissenschaften absolvierte er ein Magisterstudium der Philosophie und Geschichte. In seiner konzeptuellen Praxis arbeitet er mit Sprache, Licht und Raum. Mithilfe von Neon, Laser, Glasfaser und ortsspezifischen Installationen untersucht er die Beziehung zwischen Wahrnehmung, Architektur und gesellschaftlicher Wirklichkeit. Seine Arbeiten wurden international in Ausstellungen und Projekten im öffentlichen Raum präsentiert, darunter in der Kunsthalle München, bei der Architekturbiennale Venedig, im Schloss Bellevue in Berlin und beim Copenhagen Light Festival. 2019 sprach er bei TEDx Munich. Jan Kuck wird von Bernheimer Contemporary, München, vertreten.


Begleitend zur Ausstellung findet am Samstag, den 27. Juni 2026 um 14:30 Uhr eine Führung durch die Ausstellung, sowie ein Artist Talk mit Jan Kuck und Dr. Susanne Adele Kudielka statt. Dr. Susanne Adele Kudielka ging schon als Jugendliche in Künstlerateliers und Galerien ein und aus. Nach dem Studium arbeitete sie für internationale Museen und Galerien, insbesondere viele Jahre für und mit Ernst Beyeler. Zunächst als Direktorin der Galerie Beyeler, wo sie unter anderem die Ausstellung ARTLIGHT kuratierte, später auch für die Fondation Beyeler, unter anderem für die Redaktion des Kata logs zur Ausstellung Farbe > Licht (erschienen 2000 zur gleichnamigen Ausstellung).
Heute arbeitet sie von Basel aus als Personal Curator für Privat- und Firmensammlungen sowie als unabhängige Ausstellungskuratorin. Jan Kuck lernte sie durch sein Neon time matters kennen, das eindrücklich ihre eigene Tagline Your Art Matters reflektiert.

(Quelle: Galerie Burster)

Weitere Informationen zur Ausstellung: galerie burster | always reach beyond the light

Galerie Burster, Markgrafenstraße 68, 10969 Berlin

Öffnungszeiten

Samstag12:00–16:00
SonntagGeschlossen
MontagGeschlossen
DienstagGeschlossen
MittwochGeschlossen
Donnerstag12:00–18:00
Freitag12:00–18:00

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