Wandern im Nebel: Val d’Ultimo

„Seltsam, im Nebel zu wandern!
Einsam ist jeder Busch und Stein,
Kein Baum sieht den anderen,
Jeder ist allein. …

Wahrlich, keiner ist weise,
Der nicht das Dunkel kennt,
Das unentrinnbar und leise
Von allem ihn trennt.

Seltsam, im Nebel zu wandern!
Leben ist Einsamsein.
Kein Mensch kennt den andern,
Jeder ist allein.“

(Herrmann Hesse)

Das Ultental oder Val d‘ Ultimo in Südtirol ist immer mein bevorzugtes Wanderziel gewesen, sobald ich in der Meraner Gegend war. Die Schwemmalm (mein absoluter Lieblingsplatz zum Wandern hoch oben auf Augenhöhe mit Baumwipfeln und anderen Bergen rundherum) hat mich jedes Mal wenn ich dort war magisch angezogen und lud zu ausgedehnten Wanderungen ein. In Sonnenschein, bei Regen, aber am allerliebsten bei Nebel, wenn die Wolken tief hängen und man nur noch erahnen kann, welchen Weg man entlangläuft. Wenn die Landschaft mystisch im Verborgenen liegt.

Gerade jetzt muss ich häufig an genau diese Szenen denken, wie man eingehüllt wird von Wolken, durch sie unsichtbar hindurchwandert, die Feuchtigkeit auf der Haut spürt, die Sicht getrübt, unklar, wohin der Weg einen führen mag. Vertrauen ist notwendig, um auf so einem Terrain in den Bergen unbeschadet zu laufen, wenn die Sicht stellenweise gegen Null tendiert. Lässt sich ja eventuell auch auf das Leben als solches übertragen 😉

Dieses Bild entstand nach einer dieser sensationellen Wanderungen.

Bild Manuela Mordhorst

Viel Freude auch an und mit dem Video.

2 Comments

  1. Liebe Manuela,
    eine schöne Gedanken-Wanderung mit dem Hesse-Gedicht, den Film-Bildern und Deinem Bild-Werk. Sind es zwei Tafeln, oder zwei verschiedene Zustände einer Tafel beziehungsweise zwei unterschiedlich belichtete Foto-Aufnahmen?
    Schöne Grüße, Bernd