Werbewirksame Kunst oder kann das weg?

Bäm! I’m back und ich eröffne das Jahr ganz frech damit, dass ich den gestrigen Artikel einfach mal bemühe.

Nein! Es geht NICHT um Präsident Biden. Sorry. Auch wenn ich diesen gestrigen historischen Moment gewiss nicht herabwürdigen möchte. Was piekte mir sonst noch ins Auge? Ach ja der nackte deutsche Schauspieler Lars Eidinger, der an einem Seil befestigt von einem Kran herabbaumelt wie die sprichwörtliche Schlenkerpuppe zu der er instrumentalisiert wurde und in blaue Farbe getunkt wird, als sei er ein Teebeutel (oder eine abgehangene Schweinehälfte). Harter Dreh, ja kann man sofort glauben. Das fordert schon was (außer einem Knackpo, der vorteilhaft in die Kamera gehalten werden soll.) Vielleicht auch die bessere Wahl angesichts der Tatsache, dass Deichkind doch zunächst Gerhard Richter (Jahrgang 1932) dafür gewinnen wollte. So die Ursprungsidee. Ãœber jene möchte ich jedoch nicht weiter nachdenken müssen.

Wer sich an die einstige Performance anno 1900Pief äh 60 durch Yves Klein erinnert fühlt, yep, das ist eine Anlehnung daran. Durchaus.

Die Idee ist alt, Menschen, die ihren Körper als Malutensil einsetzen wurde schon zig mal gezeigt und wurde auch populär. Aber hey ob jemals eines deren Bilder mal 170qm² groß war und für 149.000€ verkauft werden sollte? Für einen guten Zweck natürlich? Ich hege leise Zweifel. Pardon, wer jetzt denkt, dass ich hier ironisch kommentierte oder gar zynisch anmerkte, denn ganz ehrlich Hand aufs Herz, das tue ich nicht. Ich beobachte. Ich kichere leise in mich hinein. Ich versuche mir den Dreh vorzustellen, wie der arme Mann da am Seil hängt und sich im Namen der Kunst körperlich verausgaben muss, halb erstickt in Bleu. Och nö. Doch nicht so schön der Gedanke.

Also ich sag es frei heraus: coole Aktion, Respekt vor Herrn Eidinger’s Durchhaltevermögen und Mut und klasse Anthropometrie mit einer schnell herbeigeholten, äh annähernd bemüht-sinnhaften, philosophisch angehauchten Metaphorik für eine Mehrzweckhalle. Ja warum denn eigentlich nicht? Kunst darf das doch…..Ein wenig neidisch auf solch eine Idee (selbstredend würde ich niemals als menschlicher Pinsel fungieren wollen) und der Aktion ziehe ich dennoch meinen ollen nicht vorhandenen Künstlerhut.

Also wer das Video noch nicht kennt, hier kommt es und viel Spaß damit 😉

Bitte mit Humor nehmen, ich hab es auch getan 😉

Ach und Herr Eidinger: Alles Gute 🍀 zum 45. Geburtstag, halten Sie Ihr Leben bunt!

4 Comments

  1. Die Anthropometrie von Yves Klein fasziniert natürlich die Männer in weiterführenden Phantasien. In Tobago lernte ich vor Jahren die leider inzwischen bereits verstorbene Künstlerin Luise Kimme kennen und sie erzählte mir, sie war als junges kunststudierendes Mädchen eines der Modelle die Yves über das Papier zog. Der Anspruch von Yves war ein ganz anderer als bei Eidinger. Die Methode mit Kran gefällt mir nicht, ausserdem taucht ihn der Kran nur bis zur Hüfte ein und später beim Ziehen ist er doch am ganzen Körper blau. Und ist der der Künstler der Kranfahrer oder hat er alles vorher auf dem Laptop programmiert. Yves interessierte sich nur um den Torso und die Beine…. Herzlichst Tom.
    http://www.luisekimme.com

    1. Lieber Tom, damit hast du einen guten Denkanstoß gegeben. Richtig: Yves Klein interessierte sich a) für die Frauenkörper und b) für Torso und Beine. Insgesamt wird das damalige Projekt anders gedacht und gehandhabt worden sein, wenn man darüber liest, erkennt man ja, dass die Idee dahinter eine andere gewesen sein mag. Was Deichkind hier auf die Beine gestellt haben mit Eidinger als ihren Protagonisten, kann man nur im weitesten Sinne als Anlehnung verstehen: Blaue Farbe und nackter Mensch. Die Inszenierung mit Kran und Seil mutet ja doch etwas brachial an, wenn ich ehrlich bin. Und das Endprodukt erinnert nicht mehr daran, dass Anthropometrie stattfindet, vielmehr ist der Körper der Pinsel und es sind keine Körperformen erkennbar. Und richtig, Eidinger konnte nur bis zur Hüfte maximal eingetunkt werden, unklar, wie lange er in der Farbe die Luft hätte anhalten können. Man hätte das gewiss anders aufziehen können, aber was ja wieder einmal funktioniert ist, dass etwas „anders“ ist und im Grunde genommen doch sehr abwegig. UNd man weiß ja, Kunst soll ja auch gerne mal polarisieren, dann ist sie in aller Munde 😉 Man kann es vielleicht nur satirisch betrachten. Herzliche Grüße, Manuela PS.: und Wahnsinn dass du Luise Kimme kennengelernt hast. Zeitzeugin und Protagonistin für Yves Klein in einem. Herrlich.