Tipp: Lygia Clark. Retrospektive

01.10.2025 – 8.3.2026 im Kunsthaus Zürich

Lygia Clark, Estrutura de Caixas de Fósforos [Streichholzschachtelstruktur], 1964

Radikal, prägend und partizipativ: Lygia Clark zählt zu den bedeutendsten Stimmen der südamerikanischen Avantgarde. Als zentrale Vertreterin des Neoconcretismo erneuerte sie den Kunstbegriff, indem sie die Grenze zwischen Kunstwerk und Publikum auflöste. Sie stellte klassische Bildformen infrage und forderte ein Schaffen, das Körper und Sinne einbezieht und als offener Prozess erfahrbar ist.

Lygia Clark

Eine radikale Stimme des Neoconcretismo

Lygia Clark zählt zu den wegweisenden Kunstschaffenden Südamerikas. Ihre Arbeiten bringen Werk und Publikum in unmittelbaren Dialog. Ihre begeh- und berührbaren Installationen lassen Betrachter:innen damals wie heute zu aktiven Mitgestaltenden werden. Ihre Haltung stellt sowohl die Institution Museum als auch das Verständnis eines abgeschlossenen Werks infrage und forderte ein ganzheitliches, den Körper einbeziehendes Erleben. Ihre Praxis spiegelt sowohl die Aufbruchsstimmung Brasiliens als auch die Spuren politischer Unterdrückung ihrer Zeit wider – und hat bis heute nichts von ihrer Aktualität eingebüsst.

Als prägende Figur des Neoconcretismo suchte Lygia Clark seit den 1960er-Jahren nach einer neuen Kunsterfahrung. Ihre Entwicklung führte vom gemalten Bild über den Schritt in den Raum bis hin zur Abkehr vom festen Objekt in den 1970er-Jahren. Besonders bekannt ist die Werkgruppe «Caminhando» (Unterwegs) von 1963, die hier als Titelbild zu sehen ist. Inspiriert durch die Auseinandersetzung des Schweizer Multitalents Max Bill mit der Möbiusschleife entwickelte Clark hier eine Handlungsanweisung, bei der nicht mehr das Objekt, sondern die Handlung selbst zum Kunstwerk wird. «Caminhando» markiert also einen revolutionären Schnitt: den Fokus ganz auf den Prozess.

Originale und Repliken aus aller Welt

Das Kunsthaus Zürich zeigt in Kooperation mit der Neuen Nationalgalerie Berlin die erste Werkschau im deutschsprachigen Raum und weltweit umfassendste seit jener vom MoMA in New York 2014. Die Ausstellung wurde von den Kuratorinnen der Neuen Nationalgalerie Irina Hiebert Grun und Maike Steinkamp initiiert und konzipiert. In Zürich wurde sie von Cathérine Hug kuratiert und zeigt rund 120 historische Originalwerke aus renommierten öffentlichen und privaten Sammlungen in Brasilien, den USA und Europa – viele davon erstmals öffentlich zugänglich. Zusätzlich wurden rund 50 partizipative Arbeiten als Repliken von der Associação Cultural O Mundo de Lygia Clark hergestellt, damit die Besucher:innen Clarks prozessorientierte Kunstform unmittelbar nachvollziehen können. Damit knüpft die Werkschau an Clarks eigenes Verständnis von Kunst an:

« Für mich ist Kunstschaffen, sich selbst als Mensch zu entwickeln, was überhaupt das Wichtigste ist. Kunst sollte keinem Namen oder irgendeinem Konzept nacheifern. » — Lygia Clark

(Quelle: Kunsthaus Zürich)

Weitere Informationen zur Ausstellung: Lygia Clark. Retrospektive – KUNSTHAUS

Kunsthaus Zürich
Heimplatz
CH-8001 Zürich

Di – So 10 – 18 Uhr, Do 10 – 20 Uhr
Eintritt: 31 CHF, erm. 22 CHF

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