Artist Talk: Martina Kelting – Zwischen Realismus und Abstraktion

Hallo Martina, wir kennen uns -wenngleich nicht persönlich- aus dem gemeinsamen Kunstverein Blankenese. Seit geraumter Zeit verfolge ich auf Instagram dein künstlerisches Schaffen. Ich freue mich, dass du hier Rede und Antwort stehst.

Manuela: Kannst du dich bitte kurz vorstellen?

Martina: Mein Name ist Martina Kelting, ich bin 1965 in Hamburg geboren, bin verheiratet, habe zwei erwachsene Söhne und 3 Enkel. Ich lebe und arbeite in Hamburg.

Martina Kelting in action

Manuela: Man erfährt auf deiner Website leider wenig zu deiner Motivation für deine Kunst. Schenke uns doch bitte einen kleinen Einblick.

Martina: Seitdem ich einmal mit dem Malen begonnen habe, kann man nicht mehr „normal“ durch die Welt gehen. Ich betrachtet vieles nur noch durch die Brille eines Malers. Wenn ich einen Film sehe, gucke ich z.B. auf die Gesichter der Schauspieler, wie sehen die Augen aus? Wo ist der Schatten an der Nasenwurzel? Wie funktioniert die Nase? Wie ist der Mund? Wie kommt das Licht? Da sind so viele Bilder.

Manuela: Hast du eine formale Ausbildung absolviert oder bist du Autodidaktin?

Martina: Sowohl als auch. Gelernt habe ich den Beruf der Chemielaborantin, aber als ich vor etwa zwanzig Jahren über einen Flyer vom Kunsthaus Schenefeld gestolpert bin, habe ich dort eine klassische Malausbildung begonnen.

Farbe mischen, Formen erkennen, Licht und Schatten, Kugeln, Kegel, Zylinder, Glas, Stein, Stoff.

Schnell reichten mir zwei Stunden Kurs die Woche nicht mehr aus. Ich wechselte in eine Ateliergemeinschaft, in der ich bis heute jede Woche male. Außerdem buche bis heute immer wieder  verschiedene Seminare zur Weiterbildung, z.B. in Hamburg, auf dem Scheersberg oder in Bad Reichenhall.

Manuela: Welche Themen sind für dich als Künstlerin wichtig?

Martina: Ich bin eine realistische Malerin.

Meine ersten Motive habe ich in Hamburg gefunden. Ich fotografiere typische Hamburger Impressionen, Architektur, Spiegelungen, Kind und Kegel um sie später zu malen. Viele dieser Hamburg-Bilder sind haptisch, grundiert mit Plakaten, Zetteln und Fetzten, abgerissen, abgekratzt, aufgelesen im Schanzenviertel oder in Ottensen. Sie sind großformatig und farbintensiv.

Foto links: Strand Pauli | Martina Kelting | 2013

Foto rechts: Motorroller | Martina Kelting | 2013

Seit 2010 hat die figürliche Malerei ganz langsam mein Interesse geweckt. Tanzende, stehende oder liegende Körper, sitzend, hockend, bekleidet oder auch nicht. Dynamisch, raumgreifend, farbintensiv. Gerne nach Model gemalt.

Im Laufe der Zeit wollte ich dann immer genauer schauen, verstehen, widergeben. Portraits so malen, dass der/die Porträtierte erkannt wird. Dafür nutze ich dann Fotos vom Model.

Foto links: Kristina | Martina Kelting | 2016

Foto rechts: Duo | Martina Kelting | 2018

Manuela: Was macht es mit dir, wenn du dich deiner eigenen Kunst widmen kannst? Wie nimmst du diese Zeit für dich selbst wahr?

Martina: Wenn ich male ist alles andere um mich herum vergessen. Es ist immer wie eine kleine Auszeit vom Alltag. Ich male gerne sieben Stunden durchgehend. Das ist für mich die optimale Zeit.

Manuela: Welche Materialien gehören zu deinen Favoriten?

Martina: Ich nutze sehr gerne Kohle, weil sie so schön fließt, schwarz ist, schmiert. Und ich mag sehr dicken, schwarzen Edding, weil der Strich dann einfach da ist. Auch Ölpastellkreiden finde ich klasse um Linien oder auch Flächen auf meiner Leinwand zu setzen.

Manuela: Was brauchst du um schöpferisch tätig zu sein? Bzw. wie bilden sich deine Ideen für Werke aus? Wie entstehen deine Werke, wie gehst du an deine Kunst heran?

Martina: Manchmal inspirieren mich besondere Ereignisse, wie z.B. Corona zu einer Serie von Bildern. Oder ich nehme mir, in einem sechstägigen Seminar, mal eine Reihe von Obst- und Gemüsestillleben vor, gemalt in Öl, auf kleiner Leinwand.

Ich male hauptsächlich auf Leinwand. Ist sie neu wird sie schnell mit Farben, Linien und Strichen „grundiert“. Ich nutze auch sehr gerne alte Bilder zum Übermalen, wobei ich diese nicht erst weiß grundiere, sondern wirklich über das alte Bild arbeite, wobei durchaus Teile des alten Bildes sichtbar bleiben können. Das finde ich inspirierend.

Foto links: Corona | Martina Kelting | 2021

Foto rechts: Cherries | Martina Kelting | 2023

Manuela: Wo entstehen deine Werke?

Martina: Ich male jede Woche in einer Ateliergemeinschaft, habe aber auch in meinem Haus ein Atelier eingerichtet. Und nach wie vor entstehen auch viele Bilder auf Seminaren/Malreisen.

Manuela: Gibt es Techniken oder Materialien, mit denen du gerne experimentieren wollen würdest?

Martina: Nein. Ich nutze zusätzlich zu Acryl- auch Ölfarben, aber ansonsten habe ich das Gefühl mich zu verzetteln, wenn ich weitere Techniken nutze. Vielleicht, wenn mir mal die Ideen für Bilder ausgehen.

Manuela: Gibt es Menschen, die deine Kunst beeinflusst haben?

Martina: Ja, natürlich. Zuerst einmal die verschiedenen Dozenten, bei denen ich gemalt habe. Da wären Marianne Elliott-Schmitz vom Kunsthaus Schenefeld und auch Isabella Moog zu nennen.

Und dann gibt es natürlich andere Künstler, wie z.B. Edward B. Gordon, dem ich interessiert bei Instagram folge.

Manuela: Was war deine schönste Reaktion auf deine Kunst, die du bekommen hast?

Martina: Gerade kürzlich hat eine Freundin von ihrem Lebensgefährten ein Bild von mir geschenkt bekommen, welches sie, nach einer Ausstellung, fast drei Jahre in ihrem Kopf hatte. Sie hat sich sooooo sehr darüber gefreut, das war toll.

Manuela: Was hat dich zuletzt inspiriert?

Martina: Ich habe gerade an einem Seminar zum Thema abstrakte Malerei teilgenommen. Das fand ich sehr inspirierend. Mal sehen, was das mit mir macht.

Manuela: Woran arbeitest du im Augenblick?

Martina: Zurzeit versuche ich in meinen figürlichen Bildern wieder freier zu werden, nicht so genau zu malen, lieber den Ausdruck/die Haltung in den Vordergrund zu stellen. Das ist für mich schwierig, denn ich gucke ja so gerne so genau J

Foto links: Akt, nach hinten kniend | Martina Kelting | 2026

Foto rechts: Frauke, abstrakt | Martina Kelting | 2026

Manuela: Deine nächsten Projekte, Ausstellungen. Wo kann man dich in diesem Jahr noch sehen?

Martina: Zurzeit habe ich keine Ausstellung geplant. Das finde ich, nachdem ich in den letzten Jahren doch recht viele Ausstellungen hatte, sehr angenehm. Aber natürlich kann man mich online finden.

Manuela: Wo kann man dich online finden?

Martina: Ich habe eine Homepage, martina-kelting.de. Dort zeige ich alle, aktuell vorhandenen, Bilder. Und es gibt natürlich auch Hinweise auf anstehende Ausstellungen.

Außerdem nutze ich Instagram, martina_kelting heißt mein Account.

Foto links: Skaten | Martina Kelting | 2025

Foto rechts: Werft | Martina Kelting | 2025

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