Montagsgedicht: Kateryna Babkina

Feel the sea, touch the sky | Manuela Mordhorst | sold

[Ich bin wohl gefallen.]

Ich bin wohl gefallen. Jenseits des Flusses das Haus,

in dem ich aufwuchs mit meinen Schwestern. Im Frühling

kam das Wasser und sein Grollen verlief sich

in den Flutwiesen, wo die Felsbrocken liegen, die Moose sprießen.

Später suchten wir Erdbeeren,

eine winzige Handvoll zwischen feuchten Gräsern

wie die, zwischen denen ich jetzt rücklings liege,

gegangen bin ich und gegangen und dann gefallen.

Die hab ich für mich gewählt von allen,

die für mich wie ein Leuchten im Nebel war.

Mit ihr habe ich diesen Frühling so sehr gewollt,

die Schwestern kicherten, kleines, drolliges Volk.

Aber zumindest eine schien es wissend zu begrüßen,

hat wie ich etwas geahnt vom Neuen, Bitteren, Süßen.

Ich weiß auch nicht, wie kann denn das stimmen,

du gehst und dann fällst du und alles gerät ins Schwimmen.

Dass ich wiederkäme, habe ich gesagt.

Jetzt flüstere ich mir selbst diese Worte zu.

Ich bin nur gefallen, ich bin nicht gestorben,

jenseits des Flusses das Haus, die knorrige Weide,

ein Vogel im Nest, verborgen im Schilf,

Kirschen im Garten und Schlangen im Gras,

der Tag so lang und meine Angst so schwarz,

Gott, bitte, hilf.

© Kateryna Babkina

(Kateryna Babkina,  22.07.1985, Iwano-Frankiwsk, Ukraine
lebt in: Kiew, Ukraine, übersetzt durch Beatrix Kersten)

1 Comment

  1. This is a deeply evocative and hauntingly beautiful poem. It carries a quiet, almost dreamlike quality—where memory, nature, and emotion flow into one another like the river it so gently recalls.

    What stands out most is the sense of suspended reality. The line “du gehst und dann fällst du und alles gerät ins Schwimmen” captures a moment that feels both literal and symbolic—like a sudden loss of footing not just in the physical world, but in life itself. That ambiguity gives the poem its emotional depth.

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