Mein Tipp: Impuls Paula – zum 150. Geburtstag von Paula Modersohn-Becker

7. Februar bis 1. November 2026 Worpsweder Museen

Paula Modersohn-Becker

Am 8. Februar 2026 wäre Paula Modersohn-Becker 150 Jahre alt geworden. Zu ihren Lebzeiten verkaufte die Künstlerin kaum eines ihrer Gemälde. Erst in den Jahrzehnten nach ihrem Tod erkannte die Kunstwelt die Magie, die in ihrem ganz eigenen Stil steckt. Heutzutage gelten die Bilder als Meilensteine des Expressionismus. Mit ihrem Schaffen und auch ihrem Leben war Paula Modersohn-Becker Vorbild und Inspirationsquelle zugleich. Zeitgenössische Künstler*innen, wie beispielsweise die französische Malerin Inès Longevial, lassen sich von ihr beflügeln.

Barkenhoff, 7.2. bis 1.11. 2026: ich bin/du bist. Menschenbilder

Mit ihren Porträts zeigte Paula Modersohn-Becker Menschen auf eine neue Art und Weise. Ihre Menschenbilder stellen Schönheitsideale auf den Kopf. Statt das Gegenüber detailgetreu und vielleicht sogar idealisiert wiederzugeben, fangen sie das Wesen ein. Sie reduzieren die Menschen auf das Essenzielle und überraschen mit psychologischer Tiefe.

Diese Herangehensweise war ein vollkommen neuer Ansatz für die Porträtmalerei. Deshalb stellt der Barkenhoff Paula Modersohn- Beckers Mädchen mit Perlenkette ins Zentrum der Ausstellung und erkundet davon ausgehend die Entwicklung von Porträts aus mehr als einem Jahrhundert. In der Gegenüberstellung historischer und zeitgenössischer Werke wird sichtbar, wie sich der Blick auf den Menschen wandelt – und welche Rollen der Zeitgeist, Individualität und Selbstinszenierung dabei spielen.

Mädchenbildnis | Paula Modersohn-Becker

Große Kunstschau, 7.2. bis 1.11. 2026: Respekt!

Paula Modersohn-Becker malte häufig Frauen aus bäuerlichen Verhältnissen oder aus dem Armenhaus in Worpswede. Ihre Werke zeigen die intensive Auseinandersetzung mit dieser Situation. Man spürt zugleich Nähe, aber auch Distanz, man sieht Anteilnahme, aber auch Beobachtung. Die junge Malerin war sich des sozialen Gefälles zu ihren Modellen bewusst und äußerte darüber auch ihr Unbehagen.

Die Ausstellung stellt Paula Modersohn-Beckers eindrucksvollen Halbakt einer sitzenden Bäuerin in den Mittelpunkt und fragt nach eben dieser Auseinandersetzung. Wie verhalten sich eigentlich Künstlerinnen und Künstler zu den Menschen, die sie porträtieren? Welche Haltungen spiegeln sich in den Darstellungen, damals wie heute?

Seit dem Porträt der Bäuerin hat sich der künstlerische Blick auf soziale Rollen, auf Machtgefüge und auch auf das Verhältnis des Menschen zur Natur verändert. Die Ausstellung macht diese Wandlungen auf spannende Weise sichtbar – und sogar hörbar.

Paula Modersohn-Becker, Self-Portrait, 1906. Wikimedia Commons (public domain). Detail.

Haus im Schluh, 7.2. bis 1.11. 2026: ANGEWANDT. Frau + Design

Paula Modersohn-Becker ist als Malerin bekannt und berühmt. Kaum jemand weiß, dass sie um 1900 einen künstlerischen Ausflug unternahm: in das Textildesign. Es entstand ein Bildteppich im Jugendstil mit dem Titel Apfelbaum. Sie fertigte in dieser Zeit für ihre Freundin Martha Vogeler auch die Entwurfsskizze Martha und Paula Schafe hütend an. Ein halbes Jahrhundert später, 1957, setzte Martha Vogler diese Skizze in ihrer Weberei im Haus im Schluh in einen Bildteppich um. Dieses kleine Werk gab den Impuls zu einer Ausstellung, die sich ganz der angewandten Kunst von Frauen widmet – von 1920 bis heute.

Textilkunst und Mode, Arbeiten aus Porzellan und Keramik, Stücke aus Silber und Messing, Werbegrafik und Fotografie: ›ANGEWANDT. Frau + Design‹ präsentiert Arbeiten von 15 Künstlerinnen und Designerinnen, die sich erfolgreich in diversen Sparten verwirklichten und verwirklichen, und deren Schaffen auch im Kontext Worpswedes gesehen werden kann.

Die mexikanische Künstlerin Claudia A. Cruz, GEDOK Bremen, bereichert und reflektiert die Ausstellung mit ihrem Werk Ode an die Kettfäden von 2024.

Paula Modersohn-Becker, Mädchen mit Kind vor roten Blumen, 1902, Öl auf Pappe auf Holz, 45,3 x50,5 cm © Sammlung Gemeentemuseum Den Haag, Niederlande.

Worpsweder Kunsthalle. 7.2. bis 1.11. 2026: Hautnah. Inès Longevial

Seit 2013 lebt Inès Longevial (*1990) als freischaffende Künstlerin in Paris. Das Porträt wird zu ihrem bevorzugten Genre und Experimentierfeld. Gesichter, zarte Gesten oder nachdenkliche Stimmungen prägen ihre oft großformatigen Arbeiten. Die Haut steht im Mittelpunkt ihrer Überlegungen. Sie wird zur Karte, zur Erinnerung, zur Projektion: eine poröse Oberfläche, auf der sich individuelle und kollektive Erzählungen ablagern.

Schon seit frühester Kindheit zeichnet sie. Vorbilder findet sie zunächst in Büchern über Picasso, Matisse und Modigliani. Später ist es die Biografie und das Werk von Paula Modersohn-Becker, die sie fasziniert und in der sie Parallelen zu ihrer eigenen Kunst entdeckt.

Mit ihrer Kunst versteht es Inès Longevial, die Betrachter*innen in ihren Bann zu ziehen. Nach Ausstellungen in Paris, New York und Shanghai werden ihre Werke zum ersten Mal in einer Einzelausstellung in Deutschland in Worpswede präsentiert.

Paula Modersohn-Becker, Selbstbildnis, frontal, 1897 (Paula-Modersohn-Becker-Stiftung, Bremen)

Welche dieser Anregungen sind in der Kunst anderer sichtbar? Jedes der vier Worpsweder Museen folgt einer anderen Spur. Im Zentrum steht jeweils eines der Werke Paula Modersohn-Beckers. Sie geben die Impulse, die sich wie rote Fäden durch die Ausstellungen ziehen. Mal ist es der Blick auf sich selbst, mal ist es der Blick auf andere. Mal ist es die Haltung zum Gegenüber, die sich im Gemälde zeigt, und mal ist es ein Ausflug in ganz andere Sparten der Kunst. Aber immer ist es eine spannende Fährte, der die Besucherinnen und Besucher folgen können.

Weitere Informationen zu den Ausstellungen: Kommende Ausstellungen · Worpsweder Museen — Worpsweder Museen

Winteröffnungszeiten (ab 3. November 2025 bis 29. März 2026)

Barkenhoff
Mittwoch, Freitag, Samstag, Sonntag 11 – 17 Uhr

Barkenhoff

Heinrich-Vogeler-Museum
Ostendorfer Straße 10
27726 Worpswede

Große Kunstschau Worpswede
Mittwoch, Freitag, Samstag, Sonntag 11 – 17 Uhr

Große Kunstschau

Lindenallee 5
27726 Worpswede

Haus im Schluh
Dienstag und Donnerstag 13 – 17 Uhr
Samstag und Sonntag 11 – 17 Uhr

Haus im Schluh

Heinrich-Vogeler-Sammlung
Im Schluh 35-37
27726 Worpswede

Worpsweder Kunsthalle
Dienstag, Donnerstag, Samstag, Sonntag 11 – 17 Uhr

Worpsweder Kunsthalle

Bergstr. 17
27726 Worpswede

3 Comments

  1. Bitte beachtet auch die große Ausstellung mit Werken von Paula Modersohn-Becker und Edvard Munch im Albertinum in Dresden. noch bis zum 31. Mai 2026

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