Paolo Moretto und Axel Beyer, TRASFERTA, 13.03.– 27.03.2026 im Nachtspeicher 23 in Hamburg

Eröffnung: Freitag, 13. März 2026, 18-21 Uhr
Abschluss: Freitag, 27. März 2026, 18-21 Uhr
In der Ausstellung „TRASFERTA“ trifft der Mixed-Media-Artist Paolo Moretto auf den Fotokünstler Axel Beyer.
Gemeinsam gestalten die befreundeten Künstler den nachtspeicher-Raum. Thematisch geht es beiden um Stadtraum, Reisen und Zeitgeschichtliches, dabei entstehen einige kongeniale Überschneidungen aus beiden Positionen.
Morettos vielschichtige malerische Material-Collagen bilden einen ganz eigenen zeitgeschichtlichen Kosmos. Diese treffen auf Beyers aktuelle fotografische Diptychen und Raum-Situationen aus dem direkten Umfeld der Galerie im Stadtraum St. Georg.
Paolo Moretto (*1959 Verona, lebt und arbeitet in Hamburg) faszinieren immer wieder neue Themen und Ausdrucksarten. Teils lässt er sich in spielerischer Herangehensweise durch besondere Materialien inspirieren, die zuvor eine andere Funktion hatten. Er variiert unbelastet alle möglichen Techniken oder erfindet einfach neue. Ihn langweilt selbst die Wiederholung, so dass sein Oeuvre weit aufgefächert ist und für die Betrachter:innen immer wieder neue Bezüge und Überraschungen bereithält. Er entwirft filigrane große Skulpturen, näht und klebt oder malt und übermalt. Manchmal geben ein Wort oder Text einen zusätzlichen Impuls, manchmal wächst sich sein Werk aber auch zu einer ganzen Demonstration aus. Er sucht nicht nach Ideen, sondern baut auf der Grundlage von Lektüren und Alltagssituationen auf und überlässt dem Zuschauer völlige Interpretationsfreiheit. Deshalb bezeichnet er sich selbst als „Neuer Situationist“.
Moretto studierte 1985 bis 1989 Bildhauerei an der Scuola d´Arte Paolo Brenzoni in Verona und lernte bei dem Privatdozenten G. Longhetto für Kunstgeschichte und Malerei. 1998 war er Stipendiat der Druckwerkstatt der Städtischen Galerie Wolfsburg, 2003 erhielt er ein Arbeitsstipendium im Paul-Ernst-Wilke-Atelier in Bremerhaven. Anfang bis Mitte der 90er Jahre war Paolo Moretto in Oldenburg ansässig und dort Mitglied der inzwischen historischen Produzentengalerie und Ateliergemeinschaft KARG. Seit Jahrzehnten ist er in ganz Europa mit Einzel- und Gruppenausstellungen vertreten.

Gemeinsam mit anderen europäischen Künstlern bildet er seit 1999 die Bewegung TRANSINDUSTRIELL, die dafür engagiert einer kollektiven, spartenübergreifenden Kunst eine internationale Plattform zu bieten. Dementsprechend umfassen Morettos künstlerischen Äußerungen ein Spektrum, das von der Malerie über Skulpturen bis zu komplexen Installationen reicht. Seine Arbeiten sind nur schwer in konventionelle Kategorien einzuordnen. Es finden sich ebenso frei Abstraktionen wie Zitate des Realismus, der Popart oder Surrealistisches.
Paolo Moretto selbst jedoch denkt nicht in diesen Kategorien und so finden sich für den Suchenden charakteristisch ausgeprägter Erscheinungsformen in seinen Werken bestenfalls Bezüge zu seinen Vorbildern: Jacobo Tintoretto, El Greco, den Gebr. Lorenzetti, Martin Kippenberger, Julio Gonzales, David Smith, Antony Caro, Sigmar Polke und Dieter Roth.

Axel Beyer (*1958 in Lüneburg) lebt und arbeitet in Hamburg. Studium Fotografie und Grafik-Design in den 80er-Jahren an der HAW Hamburg. Sein Interesse gilt den Orten, die ihn umgeben. In seiner Diplomarbeit hat er eine umfangreiche Serie von Hamburger STADT RÄUMEN in Farbe in dokumentarischer Sehweise fotografiert, die inzwischen Bestandteil der fotografischen Sammlung der Kunsthalle ist. Er war 2019 der erste Gewinner des Koppmann-Preises für Hamburger Stadtfotografie mit seiner Serie „Temporäre Einsichten“, in der es um die dynamische Veränderung der Stadt geht. Beyer ist Mitglied der Deutschen Fotografischen Akademie (DFA) und hatte diverse Einzel- und Gruppenausstellungen. Eine aktuelle installative Arbeit setzt sich mit dem Abriss der Bar 227 an der Sternbrücke auseinander.
In der Ausstellung im nachtspeicher23 beschäftigt er sich mit dem Stadtteil St. Georg, dem direkten Umfeld der Galerie. Im ziellosen Drift durch das multikulturelle Terrain findet er seine Motive, die zumeist in Diptychen angeordnet sind. Interieurs, Exterieurs – Schaufenster und Minarette; immer geht es um urbane Strukturen, menschliche Eingriffe und Hinterlassenschaften. Räumliche Eindrücke werden im Galerieraum durch z.T. wandgroße Fotos erlebbar gemacht.
