
Doch deine Augen halten fest
Du gehst längs eines Felds, umflirrt
von mohndurchschossnem Gelb,
da eine Lerche hoch auf schwirrt,
als gälte es die Welt,
die scharfgeschnittnen Hügel an.
Und wirklich kommt zur Linken
das Meer bis an das Dorf heran
als krauses Kräuselblinken,
da sich über den Hügelrand
ein Riesengletscher schiebt,
und du dastehst und unverwandt
schaust: Daß es Wolken gibt.
Hals über Kopf losläufst und schreist,
nicht weißt, wohin dich wenden.
Das Meer, das links ein Zipfel war,
liegt nun an allen Enden.
Und dehnt sich aus rings um dich her
unnahbar nah im Bogen,
und hinter ihm ist noch ein Meer
ergrauend aufgezogen.
Da gehen Schiffe auf den Strich.
Rotorenüberwunken.
Da ist im weißen Himmelsriß
das dritte Meer versunken.
Doch deine Augen halten fest,
so schmal der Rest auch glänzt.
Ob sich auf Wasser gehen läßt?
Erwartet wirst du längst.
(Thomas Rosenlöcher, * 29.07.1947, Dresden, Deutschland
† 13.04.2022)
© Insel Verlag Berlin 2012
Aus: Hirschgefunkel. Gedichte. Berlin: Insel Verlag, 2012
ISBN: 978-3-458-19369-2
Audioproduktion: Literaturwerkstatt Berlin, 2013

What a captivating and evocative piece. The imagery flows so beautifully—from fields and larks to the vast, shifting presence of the sea—creating a dreamlike journey through landscape and emotion. It feels both expansive and intimate, inviting the reader to pause and see the world with wonder. Truly poetic and deeply atmospheric.
Fear over the presence of forces that are not ours or ours to control is a powerful theme. Sources of power are depicted viscerally in the poem. The color and landscape of your work has me thinking of spring followed by summer.