Tipp: Uncanny im Kunstverein Rotenburg

Fotografie, Installation Bachelorabschlusspräsentation, HKS Ottersberg, 17. Januar – 25. Januar 2026, Kunstverein Rotenburg

Zhiyi Zhou, Bremen und Ottersberg

„Uncanny“ ist ein Gefühl des „vertraut Fremden“. Es beschreibt jene eigentümliche Erfahrung, wenn etwas Alltägliches plötzlich fremd oder gar beunruhigend wirkt. Sigmund Freud wies darauf hin, dass dieses Gefühl oft daher rührt, dass etwas eigentlich Verdrängtes oder Vergessenes wieder an die Oberfläche tritt – sei es eine frühkindliche Erfahrung oder eine längst unterdrückte kulturelle Vorstellung. Das „Unheimliche“ ist daher nicht bloß Fremdheit, sondern die unerwartete Enthüllung von etwas Vertrautem. Es stört unsere gewohnte Beziehung zur Welt und verwandelt das Alltägliche ins Unheimliche. Vor diesem Hintergrund entfaltet Zhou Zhiyi ihre Arbeit. Mit Fotografie und Installation setzt sie sich mit dem Phänomen der Misogynie in der Gegenwart auseinander. Sie macht deutlich, dass Misogynie nicht nur ein individuelles psychologisches Problem ist, sondern tief in den gesellschaftlich-kulturellen Strukturen verankert liegt und durch Erziehung, Tradition und Machtverhältnisse ständig reproduziert wird. In ihren Werken tauchen immer wieder Zöpfe und langes Haar auf – Symbole für Frauen, die unter patriarchalen Ordnungen diszipliniert und kontrolliert werden. Diese scheinbar vertrauten Zeichen wirken im künstlerischen Kontext plötzlich anders: Sie offenbaren die verborgene Gewalt und die Geschlechtervorurteile, die unseren Alltag prägen.
Besonders hebt Zhiyi Zhou hervor, dass Misogynie nicht nur in männlichen Vorurteilen gegenüber Frauen existiert, sondern auch in der Abwertung und Feindseligkeit unter Frauen selbst. Solche internalisierten Vorurteile führen dazu, dass Frauen unbewusst patriarchale Logiken fortschreiben – gegen sich selbst wie auch gegen andere. Ihre Arbeiten erzeugen genau jenes Gefühl des „Unheimlichen“: Sie konfrontieren uns mit der Unruhe und den Widersprüchen, die unter der Oberfläche des Vertrauten verborgen liegen.
Diese Ausstellung handelt daher nicht allein von Frauenfragen, sondern auch von einer ästhetischen Erfahrung des Unheimlichen. Sie lässt uns in vertrauten Symbolen und Bildern die verdrängten gesellschaftlichen Wahrheiten erkennen – und fordert uns heraus, im Unbehagen und in der Reflexion die Beziehungen zwischen Menschen und Gesellschaft, Geschlecht und Macht neu zu überdenken.
Zhiyi Zhou wurde am 12. August 2000 in Shangrao, Jiangxi, China, geboren. 2018 schloss sie ihre Ausbildung an der Shangrao County No. 2 Middle School mit Schwerpunkt Kunst ab. 2019 studierte sie zunächst Deutsch an der Beijing International Studies University und zog im August desselben Jahres nach Deutschland, um ihr Kunststudium an der Hochschule für Künste im Sozialen Ottersberg zu beginnen. Seit 2020 arbeitet Zhiyi Zhou unter der künstlerischen Begleitung von Michael Dörner und nahm bereits an zahlreichen Ausstellungen im In- und Ausland teil. 2023 erhielt sie das
DAAD STIBET-Stipendium.
In ihrer künstlerischen Arbeit greift Zhiyi Zhou häufig persönliche Erfahrungen sowie Elemente der asiatischen Kultur auf, um ihre Kritik an der zeitgenössischen Gesellschaft und insbesondere an patriarchalen Strukturen zu formulieren. Ihre bevorzugten Medien sind Fotografie, KI-generierte Fotografie und künstlerische Installationen. Ziel ihrer Werke ist es, gesellschaftliche Missstände sichtbar zu machen, das Bewusstsein für soziale Fragen zu schärfen und kritische Reflexion anzuregen. (Quelle: Kunstverein Rotenburg)

Weitere Informationen zur Ausstellung: Uncanny Junge Positionen Fotografie, Installation Bachelorabschlusspräsentation, HKS Ottersberg Zhiyi Zhou, Bremen und Ottersberg

Kunstverein Rotenburg

Nödenstraße 9
27356 Rotenburg (Wümme)
(gleich neben dem Erlebnisbad Ronolulu)

Öffnungszeiten

Samstag 14 bis 17 Uhr
Sonntag 11 bis 17 Uhr
(nur während der Ausstellungsphasen)

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