Montagsgedicht: Srecko Kosovel

Terra V | 2017 | Manuela Mordhorst

Gedicht.

Ich sitz da und schreib.
Vor meinem Fenster
goldenes Obst.
Alles ist Gedicht.
An meinem Fenster 
gibts keine weißen Vorhänge.

Auch dieses rote Laub
an den Reblatten: Gedicht.
Die Tigerkatze
schaut mich an
Ihr Auge: camera obscura.
Grünes Geheimnis.

An dich denk ich, die fortzog
wie ein weißer Schwan
über rote Wasser

(Srecko Kosovel, 1904 – 1926)

4 Comments

  1. Ich war fast erschrocken, als ich die Daten des Dichters las. Nicht nur so jung gestorben , sondern so lange her. Das Gedicht wirkt viel moderner. Ich hätte nicht erwartet, dass es 100 Jahre alt ist!

    Dein Bild gefällt mir ausnehmend gut. Die Farben sprechen mich sehr an.

    1. Ja, ist es nicht faszinierend, wie manche wirklich „alte“ Gedichte geradezu zeitlos wirken. Nicht einer bestimmten Zeit oder Epoche zugehörig, sondern Zeit und Raum geradezu zu überwinden scheinen?
      Mir erging es wie dir. Habe gesehen, wie jung er verstorben ist, und wann das Gedicht geschrieben wurde.
      Ich danke dir sehr für deine Worte. Liebe Grüße

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