Das Orakel von Delphi äh Carlstadt/New Jersey hat uns ja bereits im Dezember 2025 die „Farbe“ des Jahres 2026 präsentiert: PANTONE 11-4201 kurz: Cloud Dancer. Nach geerdeten Tönen wie „Mocha Mousse“ (2025), dem sanften „Peach Fuzz“ (2024) oder dem farbenfrohen „Viva Magenta“ (2023) und „Very Peri“ (2022) folgt nun ein Reinweiß, das „wogend und gelassen“ daherkommen soll – aber ein wenig in den Augen brennt durch sein gleißendes Nichts. Zum ersten Mal in zig Jahren PANTONE-Geschichte wurde nun ein Weißton zur Farbe des Jahres gekürt. Die Marketingabteilung spricht von einem Symbol für Ruhe und einen Neuanfang in unsicheren Zeiten, wie man hier nachlesen kann. Aber mal Hand aufs Herz: Ist das nicht eher eine Kapitulation? Statt bunter farbenfroher Kreativität schwenken wir lieber die weiße Fahne. Weniger Farbe, mehr Eingeständnis. Möglicherweise ist „Cloud Dancer“ nicht nur ein Trend, sondern der Ausdruck einer Gesellschaft, die einfach aufgibt. Das war so mein erster Gedanke dazu. Der zweite war, warum muss ich mich eigentlich an Pantone orientieren? Muss ich nicht. Richtig.
Pantone hat sich selbst ernannt zum Pulsgeber, der bestimmt, welche Farbe in der Mode, an den Wänden, in Designs, Kosmetik, Möbeln usw. Trend sein kann. Ursprünglich fertigte Pantone Farbkarten für die Mode- und Kosmetikbranche an. Pantone bezeichnet sich selbst als „Marktführer im Segment der Farbkommunikation und -technologie für die Grafik- und Designbranche, das Verlags- und Druckwesen sowie die Textil- und Kunststoffindustrie.“

Es wird viel darüber geredet, dass Weiß eben die Farbe der Reinheit und Klarheit ist, des Neubeginns. Wenn man will kann man das gerne auf Politik und Zeitgeist übertragen, wenn nicht, dann bleibt immer noch eine neutrale Farbe, die wie schwarz alle anderen Farben einrahmt.
Man kann jetzt farbpsychologisch an die ganze Sache rangehen, man kann die Farbe in all seinen Spektren gerne analysieren. Ich sehe jedoch hier davon ab.
Ich gebe den Pantone-Farb-Trend jedes Jahr mehr zum Spaß bekannt, habe mich aber meist neutral dazu verhalten. Fast so wie dieses Weiß hier.

Also: machen wir mit der Farbe des Jahres was wir wollen. Man kann sie ignorieren, man kann sie weiterhin als Künstler:in nutzen, wie wir sie stets nutzen, man kann sich auch gerne weiße Möbel besorgen und/oder weiße Klamotten tragen, wieso nicht….
Interessant bleibt unterm Strich nur eines: wie stets polarisiert Pantone und ist somit in aller Munde. Eine Win-Win-Situation für Pantone. Oder etwa nicht?
Mal schauen was dann 2027 kommen wird – vielleicht ein schönes alles verschluckendes Tiefendunkelnachtsamtschwarz, nur mal so als Anregung…:-)
